Definition
Tapisserie bezeichnet eine textile Technik der Bildwirkerei, bei der Schussfäden aus Wolle, Seide oder anderen Garnen so in eine Kettfadenkonstruktion eingearbeitet werden, dass sie die Kette vollständig bedecken und ein bildliches oder ornamentales Muster entstehen lassen. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Weberei wird der Schuss nicht durchgehend über die gesamte Breite geführt, sondern in einzelnen Farbpartien partiell eingetragen, was die Darstellung komplexer Bildmotive ermöglicht. Die Herstellung erfolgt manuell auf einem Hoch- oder Flachwebstuhl (Haute-lisse- bzw. Basse-lisse-Verfahren) und gilt als eigenständige Kunstgattung an der Schnittstelle von Textiltechnik und bildender Kunst.
Verwendung in der Textilindustrie
In der Textilindustrie und im Kunsthandwerk werden Tapisserien vor allem als Wandbehänge für repräsentative Innenräume wie Museen, Kirchen, öffentliche Gebäude und gehobene Wohnarchitektur gefertigt. Aufgrund ihrer hohen Material- und Arbeitsintensität sind industriell gefertigte Imitationen – etwa als Jacquard-Gewebe – verbreitet, die optisch ähnliche Effekte erzielen, jedoch nicht dem handwerklichen Tapisseriestandard entsprechen. Traditionelle Werkstätten produzieren Tapisserien auch heute noch nach historischen Vorlagen oder als zeitgenössische Auftragsarbeiten für den Kunstmarkt.
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